Spielleitplanung / Masterplan Bewegen und Spielen

Grundsätzliches zum Masterplan Bewegen und Spielen

Kinder und Jugendliche brauchen Spielräume – draußen, im Freien, in der Natur. Damit sind nicht einfach nur Spielplätze gemeint, sondern sämtliche Freiflächen im Quartier. Sie sollen kindgerecht, anregend und vielfältig sein. Sie sollen leicht und ohne Gefahr erreichbar sein und zum Spielen und Erleben einladen. Der Masterplan Bewegen und Spielen ist ein integratives Planungsinstrument, das als informelle Fachplanung das Leitbild der kinder- und familienfreundlichen Stadtentwicklung umsetzt. Dieses Instrument scheint gerade in der wachsenden Stadt Potsdam sinnvoll, um verstärkt auch auf qualitätsvolles Wachsen und den Erhalt von Freiräumen zu achten. Die Stärke des Masterplans liegt sowohl in der Verknüpfung von top-down und bottom-up-Beteiligungsprozessen, als auch in der verwaltungsübergreifenden Zusammenarbeit und der durch Stadtverordnetenbeschlüsse verbindlichen Umsetzung von Maßnahmen.
Die ursprüngliche Bezeichnung für dieses Verfahren ist „Spielleitplanung“. In Potsdam hat man sich für die Umbenennung in „Masterplan Bewegen und Spielen“ entschieden, um zu verdeutlichen, dass hier nicht (nur) das Thema Spielplätze im Fokus der Betrachtung stehen.

Fachtag zum Masterplan Bewegen und Spielen (19.02.2013)

Nach knapp einem Jahr Vorlaufzeit und einer Beratungsphase durch den Entwickler der Spielleitplanung – Peter Apel – fand am 19.02.2013 ein stadtverwaltungsinterner Fachtag zum Masterplan Bewegen und Spielen im Treffpunkt Freizeit statt. Die beiden Beigeordneten Frau Müller-Preinesberger (GB3 Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung) und Herr Klipp (GB4 Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt) hatten gemeinsam dazu eingeladen und über 30 Mitarbeiter_innen verschiedenster Verwaltungsbereiche und weitere externe Expert_innen waren der Einladung gefolgt. Der Fachtag konnte neben der allgemeinen Einführung in die Spielleitplanung vor allem durch das praktische Erleben des Instrumentes überzeugen. In Arbeitsgruppen wurde exemplarisch ein Teilgebiet Potsdams unter der Leitfrage „Wie kann der Stadtteil für Kinder und Jugendliche attraktiver werden?“ betrachtet. Hier konnte die Entwicklung von Freiräumen als vernetzte Spiel- und Bewegungslandschaften interdisziplinär erprobt werden. Die produktive Kraft des gemeinsamen fachübergreifenden Zusammenwirkens überzeugte die Teilnehmer_innen von dem Instrument. Denn so konnten neue Blickwinkel und kreative Lösungsansätze erschlossen werden, die im Alltag aus den einzelnen Fachämtern heraus schwierig zu entwickeln gewesen wären.
Im Ergebnis des Fachtages haben sich beide Beigeordneten für die Entwicklung einer kinder- und jugendfreundlichen Stadt stark gemacht und angekündigt, hierfür künftig eng zusammen zu arbeiten. Der Masterplan Bewegen und Spielen kann für die Landeshauptstadt Potsdam ein geeignetes Verfahren darstellen, um die Interessen von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Bewohner_innen in eine qualitätvolle integrierte Freiraumplanung einzubringen. Dies soll modellhaft für ein Teilgebiet erprobt werden. Um den Prozess weiter voranzubringen, wurde eine Arbeitsgruppe gegründet.

AG Masterplan Bewegen und Spielen

In dem Jahr seit dem Fachtag hat sich die fachbereichsübergreifende AG Masterplan Bewegen und Spielen sieben Mal getroffen. Die fachinhaltliche Federführung liegt seitdem beim Bereich 472 und wird durch Sylvia Peukert ausgeübt. Birgit Ukrow vom Fachbereich 35 ist als Beteiligungsexpertin des öffentlichen Jugendhilfeträgers aktiv und gehört daher zur Koordinierungsgruppe der AG. Das Kinder- und Jugendbüro fungiert als externer Beteiligungsexperte, wirkt in der Koordinierungsgruppe mit und berät die AG rund um Fragen von Kinder- und Jugendbeteiligung sowie zur Masterplanmethode.
Zunächst widmete sich die AG der internen Klärung und entwickelte ein entsprechendes Selbstverständnis. Die Mitglieder waren sich darüber einig, dass es möglichst schnell ein konkretes erstes Projekt geben sollte und eruierte so örtliche Ansatzpunkte. Mittels Matrixbewertung haben sich prioritär Golm und Waldstadt herauskristallisiert. Aktuell bietet Golm die besten Realisierungschancen als Starterprojekt.
Im Ortsteil Golm finden bereits intensive Bürgerbeteiligungsprozesse statt und die Überlegungen sowohl für die Neubebauung des Gebietes „Nördlich der Feldmark“ als auch hinsichtlich des Maßnahmeplanes zur Entwicklung eines integrativen Konzeptes für das Gesamtgebiet bieten gute Voraussetzungen für den Masterplan Bewegen und Spielen. Zugunsten dieses partizipativen Ansatzes eines integrierten Freiraum- und Gestaltungskonzeptes entschied sich am 05.03.2014 auch die Stadtverordnetenversammlung (DS 13/SVV/0751). Besonders positiv hierbei ist, dass in den Beschluss explizit die Durchführung des Masterplans Bewegen und Spielen als Modellprojekt aufgenommen ist. Diese Art des Vorgehens und die Beteiligung an formalen Planungen stellt ein Novum und eine neue Qualität von Bürger_innenbeteiligung dar!

Ausblick

Nach der nun getroffenen Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung für Golm als Modellprojekt für den Masterplan Bewegen und Spielen geht es jetzt in die Detailabstimmung für dieses Projekt. Die genaue Aufgabenstellung und Umfang der Beteiligung sind noch zu klären, bevor die konkrete Kinderbeteiligung erfolgt. Nach Auswertung des Modellprojektes bedarf es weiterer Überlegungen, wie mit dem Instrument „Masterplan Bewegen und Spielen“ in der Landeshauptstadt Potsdam zukünftig weiter verfahren werden soll.

Die weitere erfolgreiche Implementierung und Umsetzung bedarf einiger Rahmenbedingungen, die es weiter zu entwickeln gilt:

  • Das grundsätzliche Vorgehen für den Masterplan sieht jeweils einen Stadtverordnetenbeschluss und anschließend nochmals für die Umsetzung der konkreten Maßnahmen vor. Für das Modellprojekt in Golm bleibt zu klären, wie mit den Ergebnissen der Beteiligung im weiteren Prozess umgegangen wird.
  • Generell bedarf es für die erfolgreiche Umsetzung des Masterplans Bewegen und Spielen einer Anbindung an obere Verwaltungsebenen. Hierfür braucht es regelmäßigen Austausch und Abstimmung der AG mit den Beigeordneten.
  • Um entsprechend zielführend und verwaltungsbereichsübergreifend arbeiten zu können, müssen die relevanten Fachbereiche in der AG vertreten sein. Deswegen soll zukünftig auch die Ebene der verbindlichen Bauleitplanung einbezogen sein. Das neu entstandene Büro für Bürger_innenbeteiligung (intern und extern) wird ebenfalls in den Prozess eingebunden. Alle beteiligten Mitarbeiter_innen benötigen des Weiteren die entsprechenden zeitlichen Ressourcen für diese Arbeit.
  • Weitere finanzielle Mittel sollten für den Masterplan in Potsdam eruiert werden. Die von der Stadt beantragten EFRE-Mittel stellen einen Ansatzpunkt dar. Sicherlich kommen weitere Fördermittelgeber, bspw. das MBJS in Frage. Auch Überlegungen der Ressourcenschonung und Doppelnutzung (bspw. bei neu gebauten Schulen die öffentliche Mitnutzung von Sportplätzen und Schulhöfen) sollten berücksichtigt werden.
  • Ein externes Coaching von Expert_innen des Masterplans Bewegen und Spielen ist für den weiteren Prozess sinnvoll. In der Vorfeldberatung hat sich die Begleitung bereits als sehr positiv herausgestellt. Die externe Begleitung würde durch die kritische Überprüfung der Prozesse und strategische Begleitung die Qualität des Prozesses absichern und die Verstetigung voranbringen.

 

 

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