Pressemitteilung des Vorstands – 16.07.2017

Die undemokratische Ente Agathe

Seit den Ereignissen am Alten Markt wurde der Stadtjugendring Potsdam e.V. in einen Rechtfertigungsmodus gedrängt, weil ihm durch Potsdamer Politiker*innen vorgeworfen wurde, sich im Kontext von Diskussionen um die Entwicklung der Potsdamer Innenstadt undemokratisch zu verhalten.

Letzter eindeutiger Beweis ist scheinbar das Verleihen einer großen gelben verblichenen Stoffente an eine Initiative, die eine genehmigte Protestveranstaltung durchführt.
Ungünstigerweise stand die Ente in nächster räumlicher Nähe zur Besetzung der FH Potsdam. Wir können ja nur froh sein, dass die Hüpfburg aus technischen Gründen nicht auch noch aufgeblasen wurde, vermutlich wäre sie als Sprungkissen für die Hausbesetzer*innen geoutet worden.

Anstatt sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, die bei der durch die Initiative angemeldeten Versammlung unter freiem Himmel aufgeworfen wurden, kritisiert die Potsdamer CDU-Fraktion in einer erschütternden Belanglosigkeit den Standort einer gelben verblichenen Stoffente.
Die Beschlüsse zur Gestaltung der Potsdamer Mitte, um die es bei der Aktion der Initiative an diesem Wochenende geht, sind bereits vor Jahrzehnten gefasst worden. Die Jugendlichen, die zum Zeitpunkt dieser Beschlussfassung noch im Kindergarten bzw. noch nicht einmal auf der Welt waren, sollen die Sinnhaftigkeit dieser nun nicht hinterfragen dürfen?

Wie bereits in der Stellungnahme des SJR vom Donnerstagabend benannt, sehen wir uns in der Rolle eines überparteilichen Vermittlers, der die Aufgabe hat, anwaltschaftlich die Interessen junger Menschen zu vertreten, bzw. sie dabei zu unterstützen, selbst an politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen zu können. In diesem Kontext ist auch die Nutzung der aufblasbaren gelben verblichenen, leider schon etwas in die Jahre gekommenen Stoffente zu sehen.

Selbst die Generalsekretärin der Brandenburger SPD sagt: “Ich habe beobachtet, wie eine Ente an einer angemeldeten Veranstaltung teilgenommen hat. Jedoch habe ich keine Ente gesehen, die Teil einer Besetzung war.”
Anstatt nach mutmaßlich Häuser besetzenden aufblasbaren Stofftieren zu suchen, sollten sich auch die Potsdamer Parteien des konservativen Spektrums mit den Fragen beschäftigen, um die es eigentlich geht:

Potsdam ist seit Jahren stetig gewachsen, zehntausende neue Bürger*innen kamen und kommen weiterhin in die Stadt und es waren und sind nicht unbedingt die Menschen mit kleinem Geldbeutel. Das ist augenscheinlich gut für die Stadt, jedoch gibt es mit der damit einhergehenden Gentrifizierung auch einen unangenehmen Nebeneffekt.

Die damit verbundenen Auswirkungen, zum Beispiel eine Verdrängung von jungen und alten Menschen mit knappem Einkommen, von Künstler*innen und Studierenden – ist das im Kontext der Wiedererrichtung von barocken Wohn- und Geschäftshäusern gänzlich zu vernachlässigen? Es gibt kaum noch Platz für Schulen, Jugendklubs, soziale Einrichtungen, Vereine, Initiativen und die Kreativität junger Menschen – das ist nur unschwer an der Freiraumdebatte zu erkennen. Auch die Suche nach einem Jugendklub im Potsdamer Norden, dauert jetzt schon 20 Jahre – was für ein Wahnsinn.

Eine gelbe verblichene Ente, die wir auf dem Alten Markt getroffen haben resümiert dazu: “Beziehen wir diese inhaltlichen Fakten mit in die Diskussion ein, will die Potsdamer CDU dann weiter von undemokratischem Handeln des Stadtjugendring sprechen?”

Dirk Harder, Mitglied im Vorstand des SJR antwortet darauf:
“Nein, wir befürworten nicht das Werfen von Brandsätzen und Steinen und möchten auch keine verletzten Menschen auf Demonstrationen sehen, weder Demonstrant*innen noch Polizist*innen. Der Stadtjugendring wird auch weiterhin, mit aller Kraft, Jugend- und Protestinitiativen unterstützen, die sich genau den Themen widmen, die für junge Menschen in Potsdam existenziell sind.”

 
 
 

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