Stellungnahme zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August 2020

Stellungnahme zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August 2020

Anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August (1) wollen der Stadtjugendring Potsdam (SJR) und die Kontakt- und Koordinierungsstelle für Mädchen*arbeit in Brandenburg (KuKMA) auf die besondere Situation der Jugend während der Corona-Pandemie aufmerksam machen und dafür appellieren, die Jugend stärker in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen.

Der Lockdown hat besonders den Alltag von Jugendlichen stark verändert. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass junge Menschen den Lockdown belastender empfinden als Ältere. (2) Corona bedeutet Stillstand – ein Zustand der für Jugendliche schwer zu akzeptieren ist. 

Nach ungefähr einem halben Jahr zeigt sich, dass Alltag auch mit Corona möglich ist, wenn bestimmte Maßnahmen eingehalten werden. Es ist unerlässlich außerschulische Angebote für junge Menschen aufrechtzuerhalten bzw. auszubauen. Gerade in strukturschwächeren Gegenden in Brandenburg gibt es in unmittelbarer Nähe von manchen jungen Menschen KEIN Angebot. Julia Schultheiss (SJR) dazu:

„Es war wichtig schnell zu entscheiden. Und nun wird es wieder wichtig, Kinder und Jugendliche im Sinne des Paragraphen 18a der Brandenburger Kommunalverfassung mitzudenken und zu beteiligen. Corona hat mit einem Brennglas bestehende Missstände aufgezeigt, die Strukturschwäche der außerschulischen Angebote für Kinder und Jugendliche noch einmal besonders in den Fokus gerückt. Es darf jetzt nicht an außerschulischen Angeboten gekürzt werden. Im Gegenteil: Es braucht einen deutlichen Ausbau dieser Angebote für Kinder und Jugendliche im Land Brandenburg.“

Bei den Belangen der Jugendlichen braucht es einen differenzierten Blick. So belastet der Lockdown Mädchen* anders als Jungen. Es fehlen grundlegende geschlechterreflektierende Jugendperspektiven auf die Pandemie, um daraus jugendgerechte und passgenaue Maßnahmen zu entwickeln. Bianca Strzeja (KuKMA) dazu:

„Durch die Kontaktbeschränkungen fehlen den Mädchen* wichtige Orte für Beratung, Schutz und Empowerment. Insbesondere mehrfach diskriminierte Mädchen* (Mädchen* mit Behinderung, BIPoC und migrantische Mädchen*, Trans-, Nicht-binäre oder Interjugendliche, sowie von Armut betroffene Mädchen*) haben durch die Kontaktbeschränkungen weniger Möglichkeiten sichere Orte aufzusuchen. Fachkräfte aus der Mädchen*arbeit beobachten bereits Isolation, Antriebslosigkeit und Depression bei den Mädchen*.“

Die Jugend möchte sich aktiv beteiligen und gehört werden. Das Einbeziehen ihrer Positionen und Perspektiven ist wichtig, um für sie einen möglichst guten Umgang und Ausweg aus der Krisensituation zu gewährleisten.

 


(1) Der Internationale Tag der Jugend wurde 1999 von den Vereinten Nationen initiiert. Schwerpunktthemen sind Bildung, Gesundheit, Armutsbekämpfung, Drogen und Jugendkriminalität. Er soll die Weltöffentlichkeit auf die Bedürfnisse, Wünsche und Probleme von Jugendlichen aufmerksam machen und die gemeinsame Verständigung und den Austausch fördern.

(2) COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), Ergebnisse aus dem wiederholten querschnittlichen Monitoring von Wissen, Risikowahrnehmung, Schutzverhalten und Vertrauen während des aktuellen COVID-19 Ausbruchsgeschehens, Uni Erfurt, 18.04.2020

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